Schilder am Hirschauer SeeKritsche Punkte der neuen Feinplanung, wie sie am 14.10. im Freien vorgestellt wurde. Aus dem Inhalt unseres Schreibens an die Ortschaftsräte in Hirschau und die Gemeinderäte in TÜ:

 

See-Stimmung"Angesichts dieser vielen unbeantworteten Fragen ist es erforderlich, grundsätzlich und neu über die Umsetzung dieses „Feinplans“ zu entscheiden" ...

"Überrascht und irritiert hat uns die Tatsache, dass plötzlich ganz neue Maßnahmen vorgesehen sind, die Anlage von vier Flachwasserzonen für die Fischaufzucht und ein Grabensystem für den Schilfschutz. "

 


 

 Der Brief im vollen Wortlaut:

 Hirschau, den 22. Oktober 2009

An die Mitglieder des Hirschauer Ortschaftsrats
und des Gemeinderats Tübingen


Hirschauer Baggersee   
                    

Sehr geehrte Damen und Herren,

am 14.10.09 stellte die Verwaltung die „Feinplanung“ zur Umgestaltung des Hirschauer Baggersees und seiner Ufer der interessierten Bevölkerung vor Ort vor. Wir begrüßen die vorgeschlagene Reduzierung der Grobplanung als einen richtigen Schritt zur Erhaltung des Sees.
Strittig ist nach wie vor die Umgestaltung der Halbinsel zu einer offenen Liegewiese mit Wegen. Durch die Schaffung zusätzlich angelegter, freier Liegewiesen ist mit einem größeren Besucherstrom und den entsprechenden Folgen zu rechnen, wie die Erfahrungen am Kirchentellinsfurter See zeigen. Dagegen haben sich 500 Hirschauerinnen und Hirschauer und über 200 meist Tübinger Bürger (95%) ausgesprochen.
Durch ein höheres Engagement der Stadt erhält auch die Frage nach der Haftung eine größere Bedeutung.

Überrascht und irritiert hat uns die Tatsache, dass plötzlich ganz neue Maßnahmen vorgesehen sind, die Anlage von vier Flachwasserzonen für die Fischaufzucht und ein Grabensystem für den Schilfschutz.

Diese Planung ist widersprüchlich und birgt gravierende Gefahren:
Auf der einen Seite soll der verlandete Schilfgürtel durch neu anzulegende Bewässerungsgräben  (die beständig offen gehalten werden müssen) geschützt werden, während gleichzeitig daneben ein Flachwassergebiet als Laichzone aufgeschüttet werden soll.
Dann befinden sich die Laichzonen auch noch direkt vor den geplanten Liegewiesen. Sie sind somit verlockende Badeplätze, von denen aus ganz problemlos Erkundungstouren ins benachbarte Kanalsystem des (zu schützenden) Schilfs möglich sind.
Reichliches Konfliktpotential zwischen Naturschützern, Anglern und Badenden ist hier vorprogrammiert.
Außerdem birgt das Einbringen von Kies unvorhersehbare Veränderungen im und am See.

  • In diesem Zusammenhang muss dringend geprüft werden:

  • Was bedeutet die Kieseinschüttung für die am Seeboden liegenden toxischen Substanzen (vgl. limnologisches Gutachten von 2004), werden diese aufgewirbelt? Dies muss in erster Linie eindeutig geklärt werden!

  • Wie viel Kies muss eingebracht werden, woher stammt er, was kostet er, und  wie wird er vor Ort stabilisiert?

  • Ziehen große Kieslaster im Uferbereich an vier Stellen und  Minibagger im Schilf (mindestens 1m breit) nicht Schneisen der Zerstörung nach sich?

  • Und schließlich: Werden die Laichzonen nicht ebenso schnell verlanden wie die im kleinen See am Wehr?

Alle diese Maßnahmen wie auch die Anlage einer Liegewiese sind mit pflegerischen Folgekosten verbunden, wenn sie nicht alsbald wieder der schon bestehenden Verlandung und Renaturierung anheim fallen sollen. Wie hoch sind diese Folgekosten anzusetzen? Es ist zu fragen, ob bei der Umsetzung dieser Maßnahmen nicht mehr zerstört als erhalten wird. Der vorgesehene extensive Wegebau kostet ebenfalls viel Geld und wird auch in Zukunft keine weiteren Trampelpfade verhindern. Es bedarf auch keiner neuen Baumreihen, wenn „keine Bäume“ gefällt werden.
Kostenberechnungen für die einzelnen Teilbereiche aufzustellen, wäre hilfreich um zu sehen, was verantwortbar ist.

Angesichts dieser vielen unbeantworteten Fragen ist es erforderlich, grundsätzlich und neu über die Umsetzung dieses „Feinplans“ zu entscheiden. Die Mitglieder der entscheidenden Gremien müssen sich überlegen, ob sie diesem Konzept mit seinen Folgekosten in jedem Teilbereich wirklich zustimmen können - besonders in Zeiten großer Geldknappheit.
Für die unbestritten notwendigen pflegerischen Maßnahmen (Auslichtung besonders im südlichen Uferbereich), einfach begehbare Wege und die Aufstellung eines weiteren Müllcontainers im Westen müssen die im Haushaltsplan angesetzten Beträge reichen.
Der See hat heute schon einen großen Erholungswert für alle Nutzergruppen und das zu allen Jahreszeiten.

Bürgerinitiative Hirschauer Baggersee aktuell  
   
Roswith Binder, Im Öschle 27, 72070 Tübingen   


Info: Die BI Hirschau Baggersee aktuell setzt sich aus jenen zusammen

- die zur Kundgebung am 11.09.09 in Hirschau aufgerufen, diese vorbereitet und daran teilgenommen haben

- Frau Binder und Frau Merz am Info-Stand unterstützt und zahlreiche Unterschriften gesammelt haben

- sich seither fast wöchentlich treffen, Pläne des Amtes analysieren und Schreiben gemeinsam verfassen

- zur Teilnahme an der Ausschußsitzung in TÜ aufgerufen, diese angemeldet und bei ihr anwesend waren

- Öffentlichkeitsarbeit machen; Info-Stände machen, Schilder basteln+tragen, Pläne drucken, Aushänge machen

- die website führen und unsere Positionen veröffentlichen, um Transparenz zu gewähren 

- Das Gutachten von Dr. Wurm bei Frau Krommes eingesehen haben

- bei der Vorstellung der neuen Pläne im Okt.09 teilnahmen, sich danach in Arbeitsgruppen trafen, per mail oder Tel. miteinander regelmäßig in Verbindung stehen

 

 

Unser Flugblatt vom 14.10.09 anläßlich der neuen Planvorstellung ist nach wie vor aktuell. Hier zum Herunterladen: 

>>>Download ZIELE der BI (24 kb)

 

Neue FAKTEN: Halbinsel groß wie ein Freibad 

Am 01.11. teilte mir Herr Dr.Adam aus Hirschau folgende Nachricht mit:

Als Frau Krommes am 14.11. den neuen Feinplan vorstellte, bezifferte sie die neu entstehende Liegefläche auf der Halbinsel an der Nordseite des Sees auf ca. 800 Quadratmeter.

Laut der Berechnungen durch Herrn Adam entsteht aber eine Liegefläche von 3.500 Quadratmetern. Verglichen mit Freibadbelegungen könnten hier also locker 1.000 Menschen Platz finden. TAUSEND Menschen, die bitte WO ihre Notdurft verrichten? Die Ihren Abfall zurücklassen... die in den neu zu schaffenden Laichplätzen herumstapfen.

Wir fordern von der Stadt die Offenlegung der jeweils aktuellen Pläne, genaue Berechnungen und inhaltlich RICHTIGE Information bei Veranstaltungen. FALSCH-INFORMATION ist nicht in Ordnung!